EinBlick in die Geschichte - Die Roßackerkapelle

Die Ortschaft Roßacker ist urkundlich erstmals um 1160 erwähnt und 1837 in Rosenheim eingemeindet. Dort wurde 1737 ein Kirchlein zu Ehren der Heiligen sieben Zufluchten vom Ehepaar Schmetterer gestiftet. Abraham Millauer erbaute die kleine Barockkirche. Das Deckenfresko „Das Leben der Maria Magdalena“ fertigte Johannes Zick. 1739 wurde die Kapelle mit dem Marienpatrozinium geweiht. Kurze Zeit später nutzten Eremiten die Kapelle und das angrenzende Haus. Im Jahr 1804 wurde das Eremiteninstitut auf Grund der Säkularisation durch den Staat aufgelöst. Das Kirchlein sollte abgerissen werden. Da es immer noch im Privatbesitz war, konnte der Eigentümer Sebastian Zollner den Abriss verhindern.

Diese kurze Zusammenfassung soll Sie einladen noch weitere Informationen und Hintergründe in Erfahrung zu bringen. Über unsere Online-Datenbank können Sie unter dem Schlagwort Roßackerkapelle im Bestand des Stadtarchivs recherchieren.

"Pop und Politik" - Zur Geschichte der Amerikahäuser

Zum Abschluss der Ausstellung "Vom (Wehrmacht)Kasino zum Haus der Jugend" erlebten die Besucher des Stadtarchivs am 7. Februar eine interessante Veranstaltung. Zunächst wurde als Zeitdokument ein Originalfilm aus den 50er Jahren über das Rosenheimer Haus der Jugend gezeigt. Dieses Gebäude in der Hohenzollernstraße war in der Nachkriegszeit mehrere Jahre Sitz des Rosenheimer Amerikahauses.

Anschließend hielt die Geschäftsführerin der Stiftung Bayerisches Amerikahaus in München einen Vortrag über die Geschichte der Amerikahäuser in Deutschland. Unter dem Motto "Pop und Politik" gab Dr. Meike Zwingenberger in ihrem Referat einen spannenden Überblick, wie sich aus den anfänglichen Bücherbussen und Reading Rooms Zentren der transatlantischen Kulturarbeit entwickelten. Dabei spannte sie den Bogen auch zu den Perspektiven dieser wichtigen Beziehungen. Aufgrund der Aktualität dieses Themas ergab sich im Anschluss an die Ausführungen eine rege, konstruktive Diskussion.

Stadtkalender "Bilder aus Alt-Rosenheim 2017"

Bereits zum 23. Mal erscheint dieses Jahr der historische Stadtkalender des Stadtarchivs mit Bildern zur Rosenheimer Stadtgeschichte und alten Stadtansichten. Markante Gebäude und Straßenzüge, gesellige Ereignisse und Alltagsszenen um die Jahrhundertwende lassen historische Vergangenheit lebendig werden. Zusätzlich gibt es auf der Rückseite von jedem Kalenderblatt einen erklärenden Text zur Abbildung. 

Sie können den Kalender im Stadtarchiv, im Städtischen Museum oder über unseren Online-Shop erwerben.

Erfolgreicher Schülerwettbewerb "Heimat erleben"

Am Donnerstag, den 16. Juni 2016 fand die Preisverleihung des regionalen Schülerwettbewerbs „Heimat erleben“ statt. In einem feierlichen Rahmen im Saal des Hans-Schuster-Hauses in Rosen-
heim würdigte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer das Engagement der Schülerinnen und Schüler. In Anwesenheit von 90 interessierten Gästen überreichte sie die Siegerurkunden an die Preisträger.

Insgesamt wurden 36 Arbeiten aus den Grund- und Mittelschulen sowie aus den weiterführenden Schulen von Stadt und Landkreis Rosenheim eingereicht. Darin beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Aspekten der Heimat und stießen dabei auf erstaunliche Ergebnisse. In Film- und Hörbeiträgen, Ausstellungen und Seminararbeiten präsentierten die Schüler ihr Wissen zu den unterschiedlichsten Themen. Das Spektrum reichte von der Orts- über die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte bis hin zur Naturwissenschaft und Technik sowie aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Die zehnköpfige Jury aus Vertretern der Stadt und des Landkreises setzte sich intensiv mit den Arbeiten auseinander und wählte acht Arbeiten als Hauptpreisträger aus. Zusätzlich wurden vier Sonderpreise vergeben.

Herzlichen Glückwunsch!

Archivrecherche leicht gemacht - Neue Broschüre für Schüler

Unter dem Titel „Auf Spurensuche im Stadtarchiv Rosenheim“ steht jetzt ein Leitfaden zur Archivrecherche bereit. Mit dieser Broschüre möchten wir Schülerinnen und Schüler bei ihren ersten Kontakten mit der Archivarbeit begleiten. Unterstützung leistet hierbei Nachwuchsdetektiv Sherlock. Er erklärt, wie man zielgerichtet Informationen und Archivalien zu einer Vielzahl von regionalgeschichtlichen Themen recherchiert. Viel Erfolg beim nächsten Referat oder bei der Seminararbeit! 

Die Broschüre ist online (3,6 MB) und im Stadtarchiv erhältlich. 

 

 

Rosenheim - Ein Stadtlesebuch

Ab sofort im Stadtarchiv oder im Online-Shop zu erwerben

Was ist Rosenheim? Ist dies schon ganz Oberbayern?“ – Auf diese Fragen, die Ende des 18. Jahrhunderts bayerischen Schülern im Geographieunterricht gestellt wurden, gibt nicht zuletzt die Literatur Antwort: Von Abraham a Sancta Clara bis Gerhard Zwerenz und von Ilse Aichinger bis Arnold Zweig taucht der Ortsname Rosenheim immer wieder in Gedichten, Dramen und Prosatexten auf, die in ihrer Summe ein Bild der Stadt und ihrer Bewohner jenseits der offiziellen Geschichtsschreibung entwerfen. „Rosenheim. Ein Stadtlesebuch“ eine umfangreiche Sammlung bekannter und neu entdeckter Rosenheim-Texte. Begeben Sie sich zum diesjährigen Stadtjubiläum auf eine Reise durch fünf Jahrhunderte Rosenheimer Geschichte im Spiegel der Literatur.

Faksimile der Uraufnahme von Rosenheim aus dem Jahre 1812

Ab sofort im Stadtarchiv oder im Online-Shop zu erwerben!

Der Königliche Markt Rosenheim – die Katastervermessung von 1812

Faksimile des Urkatasters von Rosenheim aus dem Jahre 1812

Historische Landkarten und Stadtpläne sind wie alte Photographien Momentaufnahmen, die anschaulich Geschichte(n) erzählen können. Sie dokumentieren besondere Ereignisse wie beispielsweise die Festlegung des Burgfriedens des „Churfürstlichen Markts Rosenheim“ durch kurfürstliches Edikt in der „Stuber-Karte“ von 1773. Der Churfürstliche Geometer Joseph Damian Stuber hat damals zur endgültigen Beilegung  der bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Grenzstreitigkeiten zwischen dem Marktgemeinderat und dem im Schloss hoch oben über Rosenheim sitzenden kurfürstlichen Pfleger die Marktgrenzen, den sog. Burgfrieden, erstaunlich genau aufgemessen und im Maßstab 1:2000 farbig zu Papier gebracht. Die Einzelheiten im „Inneren und Äußeren Markt“ hat er jedoch – mit Ausnahme der Nikolaus-Kirche – nicht erfasst.
Zum ersten Mal vermessen, kartiert und für das neue Grundsteuerkataster registriert wurden lückenlos sämtliche Grundstücke und Gebäude Rosenheims aber dann 1812 durch den Königlichen Katastergeometer Eggenbacher. Die Uraufnahme als Grundlage zur Flächenberechnung für die Zwecke einer bayernweit einheitlichen Grundsteuer – bis dahin gab es 104 verschiedene Steuersysteme in Bayern – erfolgte graphisch unmittelbar vor Ort mit dem Messtisch im Maßstab 1:2500 in den Ortslagen (sog. Ortsblätter) und 1:5000 im freien Gelände. Die Gebäude- und die Gewässerflächen hoben die Geometer in Rot bzw. in Blau besonders hervor.
Die Grundstücksgrenzen und die Gebäudeumrisse wurden anschließend vom Meßtischblatt mit einem besonderen Kopierverfahren auf eine glattgeschliffene Kalkplatte aus den Steinbrüchen bei Solnhofen (besser bekannt durch die dort gefundenen Versteinerungen des Urvogels Archäopteryx) umgesetzt und mit Hilfe des von Alois Senefelder erfundenen Steindrucks (Lithographie) vervielfältigt. Fast 25000 dieser Drucksteine lagern noch heute im „Steinkeller“ des Landesamts für Vermessung und Geoinformation in München – auch die der bayerischen Rheinpfalz und sogar diejenigen von Sachsen-Meiningen und Sachsen-Coburg.
Das Uraufnahmeblatt des „Königlichen Markts Rosenheim“ zeigte noch die 1812 intakten Stadtgräben,  -wälle und Stadttore, darüber hinaus aber bereits die 1810 in Dienst gestellte Saline auf dem Areal des der Säkularisation zum Opfer gefallenen Kapuziner-Klosters. In diesem Bereich ist deshalb die einzige Grenzabweichung gegenüber dem in der Stuber-Karte eingezeichneten Burgfrieden festzustellen. Die Fläche der Marktgemeinde hatte sich gegenüber Stuber von 87,2 Hektar auf 88,4 Hektar vergrößert.
Bemerkenswert ist übrigens, dass im 1814 fertig gestellten Grundsteuerkataster der Roßacker bereits zur „Steuergemeinde“ Rosenheim (mit insgesamt 549 Hektar) gezogen, dann allerdings in Folge des Gemeindeedikts von 1818 als eigenständige Rural-, d.h. Landgemeinde, wieder verselbständigt worden ist und den Markt Rosenheim wie ein zu enger Gürtel einschnürte. Erst 1834 erfolgte die endgültige Eingemeindung nach Rosenheim als Folge der beachtlichen wirtschaftlichen Entwicklung im Bereich von Saline und Messinghammer, dem heutigen Beilhack-Gelände. Zum Zeitpunkt der Stadterhebung 1864 hatte Rosenheim eine Fläche von 643 Hektar.
Die Flurkarte von 1812 ist ein einmaliges Dokument für das Entstehen des modernen Bayern am Beginn des 19. Jahrhunderts. Damals wurden die für Politik, Verwaltung und Wirtschaft so dringend notwendigen Reformen durch Montgelas als „Revolution von oben“ durchgesetzt – vielfach gegen den Willen der Bevölkerung. Aber sie haben Bayern zu dem gemacht, was es heute ist.
Einen wesentlichen Beitrag dazu lieferte die 1801 von Kurfürst Max IV. Joseph - ab 1806 König Max I., angeordnete systematische Vermessung des aus den napoleonischen Kriegen hervorgegangene  Bayern, die „allen Zwecken des Staates dienen sollte“. Diese Arbeiten dauerten bis 1854. Vermessen und katastriert wurden in diesen fünf Jahrzehnten knapp 76000 qkm (mit der bayerischen Rheinpfalz, aber ohne das Gebiet von Coburg) mit insgesamt 17,5 Mio. Flurstücken. Dieser Erstvermessung schloss sich für den Großteil Oberbayerns die sog. Renovationsmessung von 1854 bis 1864 an, weil sich dort die Vermessungen  am Beginn des Unternehmens mangels ausreichender Erfahrung der Geometer im Nachhinein als zu ungenau erwiesen haben. Auch der Markt Rosenheim wurde 1855 zum zweiten Mal vermessen und katastriert. Die Gesamtkosten betrugen 25,38 Mio. Gulden (fl), was heute sicher mit nicht weniger als 5 Mrd. Euro zu veranschlagen wäre.

Das Landesamt für Vermessung und Geoinformation hat das Original der Uraufnahme von 1812 „Der Königliche Markt Rosenheim“ als farbiges Faksimile (Format 60 x 60cm) wegen der großen Nachfrage neu aufgelegt. Es ist ab sofort wieder für 20,00 € beim Stadtarchiv Rosenheim, Reichenbachstraße 1a erhältlich und sollte jeden, der sich für die Geschichte Rosenheims interessiert, zum Kauf animieren.

Verfasser: Prof. Dr.-Ing. Josef Frankenberger war bis 2008 im bayerischen Finanzministerium Leiter der Abteilung „Bayerische Vermessungsverwaltung; Informations- und Kommunikationstechnik“. Derzeit erforscht er die historischen Gebietsgrenzen Rosenheims.