Über das Stadtarchiv

Die Anfänge

Ein genaues Gründungsdatum ist weder für den Ort Rosenheim, noch für sein Archiv bekannt. 1328 bekam Rosenheim von Herzog Heinrich von Niederbayern das Marktrecht verliehen. Spätestens im 14. Jahrhundert kann somit ein eigenes Marktarchiv vermutet werden. Dieses Marktarchiv, das an wechselnden Orten untergebracht war, blieb bis ins 19. Jahrhundert ein reines Verwaltungsarchiv des Magistrats, das nur für juristische Zwecke genutzt wurde. Damit war es für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

1876 wurde das Archiv im neuen Rathaus, dem früheren Bahnhof, untergebracht, aber erst 1900/01 mit dem Präparandenlehrer Ludwig Eid zum ersten Mal personell besetzt.

Der Wandel zum öffentlichen Archiv im 20. Jahrhundert

Ein eigenes Archivgebäude erfolgte aber erst 1937, als mit dem Neubau der Städtischen Gemäldegalerie das Rückgebäude für das Archiv zur Verfügung gestellt wurde. Damit war das Archiv nun auch für die öffentliche Benutzung zugänglich. Zwei große Magazinräume, die nach modernen Gesichtspunkten mit zweigeschossigen Stahlregalkonstruktionen ausgestattet waren, standen zusammen mit dem Dienstzimmer des Archivars und einem Arbeitsraum zur Verfügung.

Mit dem neuen Gebäude wurde auch ein hauptamtlicher Archivleiter eingestellt, der zusätzlich aber auch für die Städtischen Galerie und das Museum verantwortlich war und weitere kulturelle Aktivitäten wie die Volkshochschule initiierte. Dadurch entwickelte sich das Archivamt allmählich zu einem Kulturreferat.

Nach der Pensionierung des Archivleiters wurde deshalb kein hauptamtlicher Archivar eingestellt, sondern mit einem Kulturreferenten erstmals ein städtisches Kulturamt etabliert. Diese neue Dienststelle hatte ihren Sitz im Archivgebäude, da sie das Archiv mitbetreute. 1991 erfolgte die räumliche und personelle Trennung zwischen Stadtarchiv und Kulturamt als das Archiv als eigenständige Institution innerhalb des Kulturamts erstmals hauptamtlich mit einer Archivfachkraft besetzt wurde.

In den folgenden Jahren stieg der Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit, somit auch die Aufgaben und Besucherzahlen. Das Gebäude von 1937 wurde diesem neuen Tätigkeitsfeld nicht mehr gerecht und daher 1997 umfassend saniert und um den Lesesaalanbau erweitert. Dadurch war es möglich, eine größere Anzahl  von Archivbesuchern zu betreuen, Ausstellungen zu zeigen oder Veranstaltungen durchzuführen. Der neue Lesesaal bot nun Platz für Schulklassen, die im Rahmen des Unterrichts das Stadtarchiv besuchten. Mit dem Pilotprojekt „Archivpädagogik“, das vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus gefördert wurde, beschritt das Stadtarchiv einen neuen Weg der archivischen Bildungsarbeit.

Das Stadtarchiv im digitalen Zeitalter

Im Jahr 1997 sicherte sich das Stadtarchiv Rosenheim die Domain www.stadtarchiv.de und präsentiert sich seitdem unter dieser Adresse im Internet. Das Online-Angebot wurde stetig ausgebaut. Neben Überblickstexten zu stadthistorischen Themen und Ereignissen sowie bedeutenden Persönlichkeiten ist es möglich, über die Online-Datenbank Originalquellen zu recherchieren oder digitalisierte Ausgaben der lokalen Tageszeitungen seit 1833 zu  betrachten. Damit können interessierte User eine Vielzahl von Informationen jederzeit und an jedem Ort abrufen. Das Online-Angebot ergänzt die persönliche Beratung und unterstreicht das Verständnis des Stadtarchiv als  dienstleistungsorientiertes Informations- und Dokumentationszentrum zur Geschichte der Stadt Rosenheim.

Die Aufgaben des Stadtarchivs

Das Archiv ist das Informations- und Dokumentationszentrum zur Geschichte der Stadt Rosenheim. Es hat die gesetzlich definierte Aufgabe historische Dokumente zu übernehmen, zu erfassen, zu erhalten und zugänglich zu machen. Darüber hinaus wertet das Stadtarchiv historische Dokumente aus und präsentiert seine Erkenntnisse in Publikationen und über Ausstellungen.

Damit wird ersichtlich, dass die eindeutige Zuordnung des Archivs nicht einfach ist. Einerseits verwahrt das Archiv als Verwaltungseinrichtung das Schriftgut seines Archivträgers, der Stadtverwaltung, andererseits macht es als kultureller und wissenschaftlicher Dienstleistungsbetrieb das Archivgut für die Forschung und die Öffentlichkeit zugänglich. So bildet das Stadtarchiv die Schnittstelle zwischen seinem Schriftgutproduzenten, der Stadtverwaltung, und seinen Archivkunden.

Neben Verwaltungsakten verfügt das Archiv auch über Nachlässe und Sammlungen von Personen und Vereinen sowie über umfangreiche Bild-, Plakat-, Film- und Zeitungssammlungen. Sie zeugen von der Vielfalt des  städtischen Lebens. Diese historischen Zeugnisse dienen der Erforschung und Darstellung der regionalen  Vergangenheit.

Darüber hinaus können Interessierte auf ein breites Spektrum von Büchern und Zeitschriften in der Archivbibliothek zugreifen. Als wissenschaftliche Regionalbibliothek findet sich hier sowohl Literatur zur Heimat- und Landeskunde als auch zur Kirchen-, Kunst-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

Große Bedeutung für die tägliche Arbeit hat auch der Bereich der Archivpädagogik. Bei dieser Aufgabe geht es darum, Schüler an die Arbeit mit historischen Quellen über Archivbesuche und Unterrichtsstunden im Archiv heranzuführen. Die Schüler werden bei ihren Recherchen im Arbeit unterstützt und haben die Möglichkeit am Schülerwettbewerb „Heimat erleben“ teilzunehmen, den das Stadtarchiv Rosenheim gemeinsam mit dem  Kulturreferat des Landkreises Rosenheim veranstaltet.

Als kommunale Einrichtung sieht sich das Stadtarchiv Rosenheim als kompetenter Dienstleister für alle Bürger der Stadt.